Sind die Tage kalt, grau und trüb, dürfen auch die Kinderbücher etwas ruhiger, nachdenklicher und sensibler werden. Heute stellen wir euch genau für diese Tage zwei ganz besondere Geschichten vor.

 

„Der Schneeflockensammler“ von Robert Schneider

Der Schneeflockensammler ist so eine ganz andere Geschichte, wie man sie selten in der Welt der Kinderbücher findet, und noch seltener in der Welt der Erwachsenenliteratur.

Auf 25 Seiten erzählt Robert Schneider behutsam in sanften Worten die Geschichte von Wilson Alwyn Bentley. Er ist ein Farmerssohn, der Jüngste einer vierköpfigen Familie, und soll selbst einmal Farmer werden. Doch wie das manchmal eben so geschieht, ist Wilson irgendwie etwas aus der Art geschlagen, ist er doch ständig abgelenkt durch verschiedenste sonderbare Beobachtungen, die sonst niemandem aufzufallen oder niemanden zu interessieren scheinen.

 

Blätter, Äste und Schneeflocken

Wilson sieht in den Adern eines Blattes die gesamte verästelte Struktur eines Baums, in den Händen seines Vaters die Furchen eines Flussbettes.

Kurz: Im Kleinen findet er das Große. Und deshalb sammelt er heimlich alles Mögliche: Blätter, Äste oder Steine. Eines Winters trifft er auf die faszinierende Einzigartigkeit der Schneeflocken und ist seitdem versessen von der Idee, auch diese irgendwie sammeln zu können. Als er dann ein altes Mikroskop und eine Kamera geschenkt bekommt, wagt er sich an die unmöglich scheinende Aufgabe, die vergänglich schönen Schneeflocken festzuhalten.

 

Einzigartig und beruhigend

Das Farbspektrum der Bilder ist sehr reduziert und von Illustratorin Linda Wolfsgruber sorgsam ausgewählt: verschiedene Dunkelblau-Töne mit weißen Farbakzenten. Dabei bleibt keine von Buchstaben bedruckte Seite weiß, sind es doch die Buchstaben selbst, die weiß wie Schnee gedruckt sind. Das wirkt tatsächlich nicht einfallslos oder gar langweilig, sondern einzigartig und irgendwie beruhigend.

 

Das Buch schafft etwas Wundervolles: Es versetzt in eine bestimmte Stimmung, eine Art Wintermelancholie, in der man zur Ruhe kommt und Trost findet, wenn man sich bewusst Zeit für Wilsons besondere Weltsicht nimmt.

 

Entspannte Auszeit für kühle Winterabende

Fazit: Das Buch ist ein kurzweiliges Leseerlebnis. Es geschieht augenscheinlich nicht viel und doch mehr als genug. Ein Buch, das mit einem dumpfen wohligen Gefühl verknüpft in Erinnerung bleibt und dass man nicht so schnell vergisst. Wunderbar geeignet für kühle Winterabende, wenn jeder in der Familie einfach mal eine entspannende Auszeit braucht. Das Buch kostet 16,00€ und ist empfohlen für Kinder ab 5 Jahren. Ihr bekommt es hier, im Verlag Jungbrunnen.

  

„Hasel, Hexe und die Anderswelt“ von Anke Ortlieb

Hasel ist eine Haselmaus, die zusammen mit ihrem jüngeren Bruder das Nest verlässt, um die weite Welt zu entdecken. Mit anderen Waldbewohnern erleben sie spannende Abenteuer. Jedoch sind nicht alle Waldbewohner Freunde, daher geraten die beiden Haselmäuse in gefährliche Situationen.

So kommt es dazu, dass ihnen Hexe begegnet. Diese Begegnung verändert für Hasel alles: Zum ersten Mal hört sie von einer Anderswelt, und die Geschichten um die geheimnisvolle Hexe bringen die Geschwister zum Träumen. Sie haben die unglaublichsten Fantasien zur Anderswelt und so viele Fragen an Hexe. Doch wann werden sie sie wiedersehen? Denn schon bald kommt die kalte Jahreszeit und die Haselmäuse halten Winterschlaf. Da erscheint Hexe in Hasels Träumen.

 

Lebensfreude, Abenteuerlust und der Kreislauf des Lebens

Autorin und Illustratorin Anke Ortlieb ist es gelungen, ihren niedlichen Haselmäusen Charme und Persönlichkeit zu verleihen. Jede Illustration spiegelt die Lebensfreude, Neugier und Abenteuerlust der Charaktere wider. So verdeutlicht die Autorin schnell, wie lebenswert auch die kleinen Dinge sind und dass das Leben schöner ist, wenn man jemanden hat, mit dem man es teilen kann.

 

Die Geschichte führt die kleine Haselmaus durch verschiedene Lebensstadien, gleichzeitig ist auch in der Natur ein Wandel zu beobachten. So bilden die vier Jahreszeiten den perfekten Rahmen, um den Kreislauf des Lebens darzustellen. Dabei geht es auch um Verlust, Trauer und Abschiednehmen. Anke Ortlieb nimmt dem Thema jedoch die Schwere und führt die jungen Leserinnen und Leser taktvoll und einfühlsam heran.

 

Eine Brücke zwischen Verlust, Informationen und Naturvielfalt

Für Kindern ab 6 Jahren ist das Buch mit seinen wunderschönen Illustrationen daher auch eine gelungene Unterstützung dabei, den Verlust von geliebten Menschen oder Tieren zu verstehen und zu verarbeiten, egal ob es diesen Verlust bereits gab oder ob er in Zukunft denkbar ist.

 

Im Geleitwort finden die Leser nähere Informationen zu Haselmäusen sowie eine lebensgetreue Abbildung mit Maßstabsangabe. Zusätzlich zeigt eine Deutschlandkarte die mittlerweile überschaubaren Gebiete, in denen Haselmäuse noch zu finden sind. Auf diese Weise will die Autorin auf den Verlust des Lebensraumes bestimmter Tiere und der Artenvielfalt hinweisen. Das Buch wird vom Naturschutzbund Deutschland unterstützt.

 

Eine Reise durch Emotionen

Fazit: Anke Ortliebs 40-seitiges Kinderbuch „Hasel, Hexe und die Anderswelt“ ist eine facettenreiche Mischung von Abenteuern, in denen die Figuren mit den verschiedensten Gefühlslagen konfrontiert werden: Glück und Freude, jedoch auch Trauer und Schmerz. Das zeigt den jungen Leserinnen und Lesern, dass alle Gefühle geschätzt werden und willkommen sind.

Das Hardcoverbuch ist hier, für 12,95€ im Demmler Verlag erhältlich.

 

Kommentare  

# @a_flaneurs_view 2023-12-06 09:02
Danke für die Buchvorstellung! ❄️
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# Claudia Reinländer 2023-12-08 22:23
Wow .. was für tolle Vorstellung der beiden Bücher
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